Wir beginnen unseren Überblick mit den rohen Marinaden, die wertvoll sind, um Fleisch und Gemüse mit Geschmack zu bereichern. Den Liebhabern von Grillabenden empfehlen wir eine Emulsion aus Öl, Salz, Pfeffer und Zitronensaft, in der man das Fleisch oder die Fischfilets einige Stunden ruhen lässt, bevor man sie auf den Grill gibt. Für einen Schmorbraten kann man hingegen eine etwas kräftigere Marinade mit Gewürznelken, rosa Pfeffer, Zimt und Muskatnuss zubereiten, die in einen Rotwein mit mittelmäßigem Körper gegeben werden, welcher mit ein wenig Marsala oder Cognac vermischt wurde. Wildbret verdient ein eigenes Kapitel, da jede Wildbretart (mit Fell oder Federn) verschiedene Zutaten erfordert. Im Allgemeinen verwendet man Rosmarin und Wacholderbeeren, aber auch Thymian eignet sich hierfür sehr gut, allerdings in geringen Maßen. Kalte Marinaden sind außerdem eine optimale Gelegenheit, um sich auf die Probe zu stellen und seiner Fantasie mit frischen Saisonkräutern freien Lauf zu lassen, die fein gehackt und in Öl, Essig oder Wein ruhen gelassen werden. Salbei, Schnittlauch und Bohnenkraut stellen einen guten Anfang dar.
Gekochte Marinaden sind hingegen noch geschmacksreicher und sollten mit Vorsicht verwendet werden. Für eines der klassischsten Rezepte, das sich hervorragend für Fleisch eignet, lässt man bei schwacher Hitze einige Minuten eine feingehackte Schalotte mit einer Stange Sellerie, Pfeffer, feinen Kräutern und einigen Blättern Lorbeer in Weißweinessig oder Weißwein köcheln. Sollte der Endgeschmack zu kräftig ausfallen, reicht ein wenig Wasser, um das Ganze zu verdünnen, auch wenn es sich hier um eine Lösung für Notfälle handelt, da sie riskiert, das Gleichgewicht der Geschmäcker zu beeinträchtigen. Im Fall von Fisch sind einige Blätter Thymian oder Majoran stets willkommen, die man in einer Flüssigkeit köcheln lässt, die zu gleichen Anteilen aus Weißweinessig und Weißwein besteht. Häufig überraschen die Köche ihre Gäste auch mit ungewöhnlichen Zutaten wie Muskatnussblätter ("macis"), Bockshornklee und anderen exotischen Gewürze, aber auch mit Roter Beete oder Ingwer. Auch in diesem Fall sollte man es nicht übertreiben.
Der vorwiegende Unterschied zwischen einer Salzlake und einer Marinade ist, wie der Name schon sagt, die Verwendung von Salz, welches eine grundlegende Zutat ist, um die lange Aufbewahrung der Speisen zu ermöglichen. Im Allgemeinen bereitet man eine Salzlake zu, indem man 4-5 Liter Wasser mit 250-300 g. Salz, verschiedenen Gewürzen (normalerweise Lorbeer, Koriander, Wacholder und Pfeffer) und etwas gehackter Zwiebel köcheln lässt. Nach dem Abkühlen filtert man die Flüssigkeit und verwendet sie, um Lebensmittel aufzubewahren oder Fleisch und Fisch mit Geschmack zu bereichern.
Einige besondere Marinaden werden unter anderem zum marinieren von Fritüren verwendet, vor allem auf Fischbasis, und lassen so die typischen, "in saòr" genannten Gerichte der Küche des Nord-Ostens Italiens entstehen, ebenso wie die "in scapèce" genannten Gerichte aus Süditalien. Die Varianten sind hier praktisch unendlich, aber eines der köstlichsten Beispiele ist zweifellos in Mehl gewendeter, frittierter und daraufhin marinierter "pesce azzurro" (eine besondere Sardinenart). Für die Zubereitung dieser Gerichte kann man auch Pinienkerne und Rosinen verwenden, welche unabkömmliche Zutaten sind, um diesen kleinen Meisterwerken des Geschmacks ein unvergessliches, süß-saures Aroma zu verleihen. In diesem Fall sollten mindestens zwei Tage vergehen, bevor man das Endresultat kostet: Der Fisch hat so die Möglichkeit, die Geschmacksnoten der Marinade vollständig aufzunehmen und gleichzeitig den starken Geschmack des Essigs (Grundzutat dieser Rezepte) zu dämpfen.
Der erste Schritt für die kunstgerechte Zubereitung einer Marinade, ist die vorhergehende Kostprobe des Essigs, den man hierfür verwenden möchte, um so zu entscheiden, ob es nötig ist, ihn mit Wein oder Wasser zu verdünnen, um seinen starken Geschmack zu dämpfen. Hinsichtlich der Wahl des Weines, empfehlen wir hingegen einen ganz normalen Tafelwein, ohne auf die großartigen Reserven unseres Weinkellers zurückzugreifen, es sei denn, man möchte eine Marinade für einen Schmorbraten zubereiten: Ein dermaßen anspruchsvolles Gericht erfordert einen entsprechenden Wein.