Die Mittelmeerküche: perfektes Gleichgewicht

Die Freude an gutem Essen und wachsendes Interesse am kulinarischen Tourismus liegen voll im Trend. Weinfeste, Degustationen und gastronomische Veranstaltungen stoßen auf großen Anklang, obwohl Ärzte und Ernährungswissenschaftler mahnend auf die grundlegende Bedeutung einer gesunden Ernährung hinweisen, um zahlreichen Krankheiten vorzubeugen. In diesem Spannungsfeld gegensätzlicher Tendenzen fragt sich der Verbraucher, ob gesunde Kost mit Essgenuss in Einklang stehen kann. Eine Frage, die von Ernährungswissenschaftlern uneingeschränkt bejaht wird.

Eine Tradition wird zum Vorbild

Die Wissenschaft hat festgestellt, dass italienische Essgewohnheiten gesund sind. Ständig neue Erkenntnisse bestätigen den überlegenen Nährwert von Nahrungsmitteln und Zutaten, die traditionell mit der Mittelmeerküche verbunden werden. Es ist kein Zufall, dass die Mittelmeerküche als vorbildliches Ernährungsmodell betrachtet wird. Denn Pasta, Gemüse, Fisch und Öl - traditionelle Grundzutaten der italienischen Küche und Symbole der Gastlichkeit des Mittelmeerraums - sind nicht nur wohlschmeckend, sondern auch ernährungswissenschaftlich ideal für den Menschen. Über diesen Punkt sind sich alle Ernährungswissenschaftler einig. Darüber hinaus haben die kulinarischen Traditionen in Ländern wie Italien, Spanien, Südfrankreich, Griechenland und einigen Gebieten Nordafrikas den Vorteil, gleichermaßen für Jung und Alt geeignet zu sein.

Olivenöl, um nur ein Beispiel anzuführen, hat sich als eine der wirksamsten Waffen gegen das "schlechte" Cholesterin und seine Auswirkungen erwiesen. Dies zeigt sich unter anderem in dem vorbildlichen Cholesterinspiegel der griechischen Bevölkerung, die auf eine jahrtausendealte Tradition des Olivenöls zurückblicken kann: Er ist mit Abstand der niedrigste in ganz Europa. Dank des hohen Anteils an einfachen ungesättigten Fettsäuren und natürlichen Antioxidantien - wie Vitamin E und Phenolverbindungen - wirkt Olivenöl blutreinigend und schützt die Arterien vor Degenerationserscheinungen.

Das Geheimnis liegt in den Proportionen

Eine Alltagskost mit einem ausgewogenem Gleichgewicht der grundlegenden Nährstoffen wird heute einstimmig von Ärzten und Ernährungsmedizinern empfohlen, um die sogenannten Wohlstandskrankheiten vorzubeugen (vom Bluthochdruck und Arteriosklerose über Thrombosen bis zum Infarkt, von Stoffwechselkrankheiten und Übergewicht bis zu Diabestes). In der Mittelmeerküche setzt sich dieses ideale Gleichgewicht in der täglichen Kalorienzufuhr folgendermaßen zusammen: 55-60% Kohlenhydrate (Getreide, Pasta, Brot), 25-30% Fette (Olivenöl, Butter, Schmalz) und nur 10-15% Eiweiß (Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchte). Kohlenhydrate sind wichtig für die Energiezufuhr, während die in der Mittelmeerküche enthaltenen Fette nach heutigen Erkenntnissen der Ernährungswissenschaft zur Regulierung des Blutfetts beitragen. Dabei wird der LDL-Cholesterinspiegel empfindlich herabgesetzt, ohne dass die "guten" Cholesterin- bzw. HDL-Komponenten reduziert werden. Darüber hinaus weist die Mittelmeerküche einen niedrigen Anteil an tierischem Eiweiß auf, da sie zahlreiche Rezepte zur kulinarischen Verwertung von Hülsenfrüchten umfasst, die ebenfalls cholesterinsenkende Eigenschaften besitzen. Die Vorteile einer Ernährung, die reich an Obst und Gemüse ist und eine ausreichende Versorgung an Vitaminen, Ballaststoffen und Spurenelementen sichert, sind heute wohl zur Selbstverständlichkeit geworden. Doch auch aromatische Gewürzkräuter, Knoblauch und Zwiebeln sind dank ihrer blutreinigenden und cholesterinsenkenden Eigenschaften wertvolle Bestandteile der Mittelmeerküche.

Schlank und gesund mit einer "Nicht-Diät", die schmeckt

Wer geschickt mit den Rezepten der Mittelmeerküche umgeht, kann auf die Figur achten, ohne auf gutes Essen zu verzichten. Denn die Mittelmeerküche ist eine optimale "Nicht-Diät", die kulinarische Freuden mit gesunder und figurbewusster Kost in Einklang bringt. Neben der erforderlichen Ausgewogenheit der verschiedenen Nährstoffe, ist dazu ein aktiver Lebensstil erforderlich, der die Kalorienzufuhr in Energie umsetzt. Diese Ernährungsgewohnheiten haben darüber hinaus den Vorteil, dass man sie überallhin mitnehmen kann! Sie fördern eine positive Einstellung zum Essen und sind daher auch psychologisch sinnvoll. Ein Aspekt, der in unserer Gesellschaft nicht unterschätzt werden sollte.

Denn der Einfluss der Medien führt oft dazu, dass Essen mit Schuldgefühlen erlebt wird. Mit dem Ergebnis, dass die Häufigkeit von Ernährungskrankheiten wie Anorexie (Magersucht) und Bulimie (Heißhunger mit Erbrechen nach zwanghafter Nahrungszufuhr) unkontrolliert ansteigt. Die Mittelmeerküche ist hingegen ein perfekter Kompromiss zwischen der Befriedigung unserer Geschmackspapillen und unserer Psyche. Was will man mehr?

Weniger ist mehr

Pasta ist der Inbegriff der italienischen Küche schlechthin und wird zu Recht als Eckpfeiler der Mittelmeerküche verstanden. Das Geheimnis besteht darin, den ohnehin hohen Nähr- und Sättigungswert der Pasta mit Saucen zu kombinieren, die nicht durch übermäßigen Fettgehalt die Kalorienzufuhr in die Höhe treiben. Pasta allein ist zwar kein vollwertiges Nahrungsmittel, es sind jedoch nur wenige Zutaten notwendig, um ein Nährstoffgleichgewicht zu erreichen. Frische Produkte aus dem Gemüsegarten, sparsam verwendetes Eiweiß und Fett sind ausreichend.

Grundlegend ist allerdings die sachgerechte Zubereitung: Pasta muss "al dente", zu Deutsch "bissfest" gekocht werden. Das ist keine reine "Geschmackssache": Durch intensiveres Kauen wird der Hunger schneller gestillt und die Verdauung gefördert.
Aber was ist der Grund für die Tatsache, dass Pasta zum Symbol der Mittelmeerküche geworden ist? Entscheidend ist wohl die langsame Freisetzung der Stärkemolekülen, die in der Pasta enthalten sind. Diese Eigenschaft wirkt modulierend auf den Organismus. Pasta macht also länger satt, um es einfach zu sagen. Der Hungerreiz bleibt nach einem Teller Pasta länger gestillt, als nach anderen Getreidegerichten (Pizza, Brot, Reis). Ein weiterer Vorteil, der sich aus der langsamen Verwertung der Pasta ergibt, besteht in der Dosierung der freigesetzten Blutzuckermenge. Rapide in den Blutkreislauf gelangende Glukosemoleküle können gefährliche Rückschläge auf den Blutzuckerspiegel hervorrufen. Ein Faktor, der nicht nur für Diabetiker von Bedeutung ist. Ein Teller Spaghetti mit Tomatensauce, Basilikum, extranativem Olivenöl und geriebenem Parmigiano Reggiano Käse (authentisch) ist also nicht nur typisch italienisch und ausgesprochen schmackhaft, sondern auch ernährungsmedizinisch gesund. Dazu trägt auch die Tomatensauce bei. Tomaten enthalten Lycopin, ein natürliches Pigment, das der Tomate ihre rote Farbe verleiht. Darüber hinaus gehört Lycopin zu den Antioxidantien, die dem Einfluss der freien Radikale - gesundheitsschädlichen Nebenprodukten des Stoffwechsels - entgegen wirken. Die Freisetzung von Lycopin erfolgt beim Kochen und Olivenöl fördert die Aufnahme dieses wertvollen Stoffes durch den Organismus. Dazu kann man sich bedenkenlos ein Glas Wein gönnen, vorzugsweise einen guten Rotwein. Denn mäßig genossen, wirkt Wein dank seines Gehalts an Polyphenolen ebenfalls blutreinigend und cholesterinsenkend.

Für jede Gelegenheit die passende Ernährung: wenn es heiß ist, wenn uns das Alter plagt, bei müden Beinen oder um nach den Feiertagen wieder schlank zu werden.